Aus Nostalgie für das erste Auto, das kaum mehr als 250.000 km hielt, oder aus Unkenntnis über den Betrieb von E-Autos wird oft behauptet, dass Verbrenner eine bessere Ökobilanz haben. Stimmt das?

  • Elektroautos fahren selbst mit Kohlestrom sauberer als Verbrenner!
  • Wie sauber ist der europäische Strommix?
  • Als Neuwagen hat ein E-Auto eine schlechtere Ökobilanz als ein Verbrenner – am Ende seines Lebens eine viel bessere

Der Vorwurf steht im Raum, Elektroautos seien nicht ökologisch, weil die Energiebilanz ihrer Produktion schlechter ausfällt als die von Verbrennern. Kritiker führen gerne die zwei Argumente an: Die Akkuherstellung ist energieintensiv. Wenn dann noch Kohlestrom zum Laden genutzt wird, ist das E-Auto sogar noch umweltschädlicher als ein Fahrzeug mit Dieselmotor. Diesem Vorurteil widerspricht die Studie des unabhängigen Instituts ICCT (International Council on Clean Transportation) aus den USA.

Elektroautos fahren selbst mit Kohlestrom sauberer als Verbrenner!

Für den Vergleich des CO2-Fussabdrucks wurde der gesamte Lebenszyklus eines E-Autos berücksichtigt. Dieser umfasst die Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe, die Produktion und Bereitstellung des Kraftstoffs beziehungsweise Stroms sowie die Treibhausgasemissionen, die im Betrieb und beim Recycling anfallen. Eingeflossen sind Daten aus den USA, China und Indien. Dies sind mit 70 Prozent Anteil am Weltmarkt die grössten Absatzmärkte für Neuwagen.

Das Ergebnis: Ein E-Auto ist in allen Märkten bei gleicher Lebensfahrleistung bereits heute deutlich klimafreundlicher als ein Auto mit Verbrennungsmotor. In den USA können E-Autos zwischen 60 und 68 Prozent CO2 einsparen. Überraschenderweise fahren selbst in Indien Stromer um 19 bis 34 Prozent und in China um 37 bis 45 Prozent grüner. Dabei stehen dort noch viele alte Kohlekraftwerke, die hohe Emissionen verursachen.

Wie sauber ist der europäische Strommix?

Und in Europa? Im Jahr 2020 lag der Anteil an fossil erzeugtem Strom zwischen zwei Prozent in Schweden und 83 Prozent in Polen. Im Durchschnitt stammen weniger als zwei Fünftel (39 Prozent) des europäischen Stroms aus fossilen Quellen. Der Medianwert liegt bei 37,5 Prozent. Da sich der Anteil Kohle von 2015 bis 2020 beinahe halbiert hat, ist der Strommix in diesen fünf Jahren um 29 Prozent sauberer geworden. Allein im 2020 betrug der Rückgang von CO2 pro Kilowattstunde Strom zehn Prozent. Allerdings sind 43 Prozent Kohle durch Gas ersetzt worden.

Natürlich gibt es beim Ladestrom noch Verbesserungspotenzial. Aber wenn man bedenkt, dass schon die Raffinierung eines einzigen Liters Benzin 1,5 kWh Strom verbraucht, gibt das zu denken. Allein mit diesem Strom kann ein Elektroauto acht bis zwölf Kilometer weit fahren. Angesichts der Tatsache, dass aktuell der leichteste Tesla 14,9 kWh auf 100 km verbraucht, kommt man schnell zu dem Schluss, dass ein Elektroauto ausschliesslich mit der Energie fahren kann, die für die Gewinnung, den Transport, die Raffinierung und die Verteilung des Benzins verschwendet wird. Dabei ist die im Öl selbst enthaltene Energie nicht eingerechnet, es könnte also im Boden bleiben.

Als Neuwagen hat ein E-Auto eine schlechtere Ökobilanz als ein Verbrenner – am Ende seines Lebens eine viel bessere

Egal wie sauber der Strom ist: er muss im Akku gespeichert werden. Die Akkuherstellung trägt am meisten zur grauen Energie eines Elektrofahrzeugs bei. Deswegen weist ein E-Auto anfänglich tatsächlich eine grössere Menge CO2-Emissionen aus als ein Verbrenner. Spätestens jedoch nach 80.000 Kilometern – je nach Fahrzeuggrösse – hat das E-Auto diesen Nachteil aber wettgemacht und ist dann wesentlich umweltfreundlicher unterwegs als ein Auto mit einem anderen Antriebssystem. Das Gute daran ist: Nach einem Leben als Fahrzeugbatterie erhalten Akkus zunächst ein zweites Leben als Batteriespeicher für Zuhause und können danach zu nahezu 100 Prozent recycelt werden.

Fazit

  • Ein E-Auto hält aufgrund weitaus weniger Verschleissteile locker mehr als dreimal so lange wie ein Verbrenner.
  • Stromer nutzen 90 Prozent der zugeführten Energie für die Fortbewegung – Benziner nur 15 Prozent. Der Rest geht in die Wärme.
  • Der Fahrstrom kann zu 100 Prozent CO2-neutral mit Wasser, Wind und Sonne erzeugt werden. Abgase, Öl, das ins Grundwasser sickert, Tankerunfälle, Fracking, graue Energie beim Schweröltransport, Entsorgung von Altöl und Filtern und vieles mehr bleiben erspart.

Unterm Strich kommt ein E-Auto mit dem europäischen Strommix auf gerade einmal zwei Drittel bis die Hälfte der Emissionen eines Verbrennungsfahrzeugs. In Zukunft werden die ökologischen Vorteile von E-Autos durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien weiter zunehmen.

 

Quellen:

 

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